110 Jahre Bahnhof Altrahlstedt / Rahlstedt


Inhaltsverzeichnis

 
(1) Haltestelle (1868) zum Beschluss zur Errichtung des Bahnhofs (1892)
(2) Der Bahnhof ist fertiggestellt (1893)
(3) Der Bahnhof um die Jahrhundertwende (1900)
(4) Der Bahnhof auf Postkarten und der Fahrplan von 1912
(5) Das Bahnhofs-Hotel von Jonny Godeknecht (1900)
(6) Die Kleinbahn Alt-Rahlstedt – Volksdorf (1904)
(7) Zum Holsteinischen Haus und Schienen der Kleinbahn (1904++)
(8) Zugverkehr in den 30er Jahren und Schrankenweg
(9) Bilder der Nachkriegszeit
(10) Bilder der 60er/70er Jahre – die Schranke
 

Tafel 1

oben
Haltestelle (1868) zum Beschluss zur Errichtung des Bahnhofs (1892)

1868: Altrahlstedt ist ein einfacher Haltepunkt der Lübecker-Büchener-Eisen-bahngesellschaft (LBE). Der geradlinig verlaufende Straßenzug Oldenfelder Straße/Rahlstedter Bahnhofstraße (damals Oldenfelder Kirchenweg – Weg zur Kirche Altrahlstedt) lief im spitzen Winkel gradlinig über die Gleise.
An der Ecke Schweriner Straße/Rahlstedter Bahnhofstraße (heutige Namen) hatte Jonny Godeknecht seine Restauration. Er nannte sie „Zur Haltestelle Alt-Rahlstedt“ und hatte sich verpflichtet, Fahrgästen Aufenthalt ohne Verzehr zu gewähren. Heute steht an dieser Stelle eine Filiale der Deutschen Bank.

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1892: Der Fabrikant Eduard Grube (danach Grubesallee) erzeugte schwere Güter und war sehr daran interessiert, dass der Haltepunkt zu einem Vollbahnhof mit Güterabfertigung ausgebaut wird. Er wurde die treibende Kraft für den Bau eines Bahnhofs und überzeugte weitere Interessenten. Am 5. April 1892 war die „große Versammlung“, die den Bau des Bahnhofs beschloss. Die Bahn forderte alle notwendigen Grundstücke und 14.000 Goldmark. Neben dem Bahnhof mit Güterabfertigung war der Bau einer Unterführung (für Fahrzeuge) zu gesagt (etwa da, wo heute der Tunnel ist). Dieser Bau wurde nie durchgeführt.

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Tafel 2
oben
Der Bahnhof ist fertiggestellt (1893)
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1893: Der Bahnhof wird eingeweiht. Nachdem sich 04/1892 die Interessenten für Bau entschlossen hatten, mussten - alle Verträge geschlossen werden, - die Grundstücke umgeschrieben werde, - die Baumaßnahmen (Gleisbau und Gebäude) geplant und realisiert werden. Diese Zeitspanne ist heute nicht mehr möglich.
Der Bahnhof wird für Altrahlstedt ein großer Erfolg. Fuhren 1901 täglich 14 Züge zwischen Hamburg und Altrahlstedt, waren es 1911 bereits 33 Züge.

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1893: Vor dem Bahnhof wird eine Doppeleiche gepflanzt. Sie ist das Symbol für Schleswig-Holstein („op ewig ungedeelt“). Die Eiche und der Gedenkstein stehen noch heute vor dem Bahnhof.

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Jonny Godeknecht reagiert schnell auf die neue Situation und benennt nun sein Haus in Bahnhofs-Hotel um.

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Tafel 3
oben
Der Bahnhof um die Jahrhundertwende (1900)
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189x: Die Postkarte zeigt, dass Altrahlstedt auf die neue Errungenschaft stolz ist und es auch gerne zeigt. Die Häuser gegenüber dem Bahnhof bilden die Parallelstraße (heute Doberaner Weg). Sie sind weitgehend bis heute erhalten geblieben.

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Vor und um 1900: Die Hoffnungen, dass die eingesetzte Mittel zum Bau nicht vergebens ausgegeben wurden, bestätigte sich schnell. Altrahlstedt veränderte sich rasant. Die Gemeinde wurde für die Hamburger ein leicht erreichbarer Ort. Altrahlstedt unternahm alle Anstrengungen um Gäste anzulocken. Günstige Grundstücke waren verfügbar,  Villen wurden schlüsselfertig angeboten. Hotels und Pensionen lockten Kurgäste (Luftkurort). Der Güterbahnhof bot dem herstellenden Gewerbe Standortvorteile. Die Wirtschaft florierte.

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Tafel 4
oben
Der Bahnhof auf Postkarten und der Fahrplan von 1912
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1899: Ansicht des Bahnhofs mit Dampfzug am Bahnsteig

Ausstellung Bahnhof Ausstellung Bahnhof

1902: Postkarte mit dem Bahnhofs-Hotel und dem Bahnhof. Der Garten gehörte zu dem Hotel. Die Karte wurde im Zug (Hamburg-Rostock) am 28.02.02 eingeworfen und kam zwischen 6 und 7 Uhr in Hamburg an.

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Um 1900: Alt-Rahlstedt mit Bahnhofstrasse und Bahnhof, links am Ende der Straße ist das Bahnhofs-Hotel zu erkennen.

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1912: Fahrplan Altrahlstedt – Hamburg; man sieht, dass es bereits Direktverbindungen nach Mecklenburg und Travemünde gab.


Tafel 5
oben
Das Bahnhofs-Hotel von Jonny Godeknecht (1900)
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1905: Selten kann man an einem Objekt zeigen, welchen Einfluss der Bahnhof für Altrahlstedt hatte. Die Restauration von 1892 wuchs zu einem bedeutsamen Hotel. Dies lässt sich an dem großen, prächtig gestalteten Ballsaal zeigen. Die Säulen und die stuckgeschmückte Decke entsprachen dem Stil der Kaiserzeit. Festlich gekleidete Menschen füllten den Saal lange zu vielerlei Veranstaltungen.
1948 wurde hier anlässlich der 700-Jahrfeier die letzte große Feierlichkeit begangen. Die Zeit für diese Art der Säle war endgültig vorbei.
Der Saal wurde von der Firma Reisgen übernommen, die hier ihre Kaffeerösterei betrieb. Die Restauration wurde als Café Steidl weitergeführt.


Tafel 6
oben
Die Kleinbahn Alt-Rahlstedt – Volksdorf (1904)
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1904 wurde die Parallelstraße (heute Doberaner Weg) die Endstation der elektrischen Kleinbahn, die Altrahlstedt und Volksdorf verband. Diese Linie wurde eingerichtet, da Volksdorf als hamburgisches Gebiet keine Bahnverbin-dung mit Hamburg besaß. Nun konnten die Reisenden einen Teil der Strecke mit der Eisenbahn Hamburg-Altrahlstedt nutzen und hier in die Kleinbahn umstei-gen. Als Volksdorf über eine direkte Verbindung mit Hamburg verfügte, wurde der Personenverkehr 1927 eingestellt. Bis 1934 wurde die Kleinbahn nur noch für den Gütertransport genutzt.

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Tafel 7
oben
Zum Holsteinischen Haus und Schienen der Kleinbahn (1904++)
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Dieses Bild der Parallelstraße Höhe Lindenstraße (heute Doberaner Weg/Boytinstraße) zeigt das Übergabegleis von der Bahnstrecke zur Kleinbahn. Durch diese Verbindung konnten Waggons von Fernzügen auf die Streckenführung der Kleinbahn geleitet werden. Durch eine eigene kleine E-Lok (Name Anton) konnten Waggons nach Volksdorf und später bis Wohldorf bringen. Die Güterversorgung dieser Orte blieb bis 1934 erhalten.

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Nach 1904: Der fassadengeschmückte Gasthof „Holsteinischen Haus“ war in der Kaiserzeit eine Heimstatt für Feinschmecker. An Sonn- und Feiertagen wurde zum Tanz eingeladen. Der gastronomische Betrieb musste nach dem 2. Weltkrieg aufgegeben werden. Das Haus Parallelstraße (heute Doberaner Weg)/Grubesallee steht noch heute.

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Tafel 8
oben
Zugverkehr in den 30er Jahren und Schrankenweg

Bilder aus den 30er Jahren

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Der Bahnhof hat noch seine alte Form und ist durch Bäume umgeben
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Im Bahnhof halten bereit lange Züge und man erkennt, dass das Fahrgastaufkommen relativ groß war. Das Gebäude rechts im oberen Bild ist das Bahnhofs-Hotel mit dem großen Festsaal.
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Zug beim Auslaufen: zu erkennen ist das Turmhaus im Schrankenweg (früher Agnesstraße).

Tafel 9
oben
Bilder der Nachkriegszeit

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Parallelstraße / Doberanerweg mit Zugang zur Unterführung
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Bahnhof mit neuem Anbau aus dem Jahr 1949
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Schrankenüberweg mit Zugang zur Unterführung und dem Hotel „Holsteinisches Haus“ (1964)
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Schrankenüberweg mit Zugang zur Unterführung

Tafel 10
oben
Bilder der 60er/70er Jahre – die Schranke
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Bahnhof mit der neuen Empfangshalle, Busse fuhren noch direkt zum Bahnhof, im Restaurant gab es Wiener Hendl
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Keine unübliche Situation – man musste Geduld haben. Im Hintergrund sieht man das ehemalige „Holsteinische Haus“. Zu dieser Zeit konnte man hier chinesisch essen.
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Blick in die Schweriner Straße, die noch zu befahren war. Oft stand man und wartete, bis die Schranke den Verkehr freigab.

alle Bilder aus dem Heimatarchiv des Bürgerverein Rahlstedt e.V. / Texte: Horst Schwarz

Letzte Aktualisierung: 23.07.2011